06.30 Uhr "Moin Chrissi!" ... "Moin!"

Draußen ist bereits emsiges Treiben. Frühstück machen, Zelte werden zusammengebaut, Rucksäcke gepackt und der Hochnebel mit seinen begleitenden Regenwolken arbeitet sich auch schon vor. Nach dem Frühstücken packen wir unseren Rucksack dieses mal 'wasserfest' ... es sieht heute nach Regen aus. Die heutige Etappe führt uns zum "Baranco Camp" (3.940 m) lediglich 100 Hm höher als das jetzige Camp. Die Strecke führt aber zum "Lava Tower" der auf ca. 4.700 m liegt. Also hoch zum "Tower" und wieder runter zum nächsten Camp ... gut für die Akklimatisierung!

Viele Teams starten bereits sehr früh, es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass es heute Regen gibt. Nach den 'zwei Schüsseln', dem Frühstücken und Packen, geht es für uns beide auch los. Nach einer Stunde der erste Nieselregen. Von Anfang an heute Morgen haben wir unsere Regensachen an und den Regenponcho bereit. Im Verlauf des ganzen Tages halten die Regensachen was sie versprechen ... dicht und problemlos. Den Regenponcho habe ich eigentlich nur für den Regenwald mitgenommen, ziehe ihn aber nicht gerne an. Ernest und David scheinen immer ihren Regenponcho zu benutzen und tragen ihn auch heute. Ganz dicht scheinen die Ponchos von denen nicht zu sein ... kurzer Halt ... beide bekommen unsere Ponchos und sind glücklich. Der Regen wird immer stärker und für uns geht es immer höher.

Im letzten Camp trafen wir auf einen Vater mit seiner erwachsenen Tochter, beide aus Südafrika ... eine willkommene Begegnung für einen kurzen 'Plausch'. Während einer kurzen Pause am Berg schließen die beiden Südafrikaner zu uns auf. Wir sind derweil 'kurz hinter einem großen Stein', wegen e-mails, ihr wisst ja schon ...! Chrissi und ich kommen hinter dem Stein wieder hervor:

David: "E-mails gecheckt und habt Ihr Post?"
Wir beide: "Ja, e-mails gecheckt, alles ok!"
Tochter schaut völlig ungläubig zu uns rüber: "Wow, ihr könnt hier oben Eure e-mails abrufen?
Ihr Deutschen seit technisch immer so gut ausgerüstet ...
... Ihr könnt hier am Berg mitten in Afrika sogar Eure e-mails checken?"
David, Chrissi und ich schauen uns gegenseitig an: :-) ... "Ja!"
Angeregte Unterhaltung zwischen Vater und Tochter! Natürlich haben wir sie für eine Weile im Glauben gelassen aber dann ...

Je höher wir kommen umso stärker wird der Regen. Dem Chrissi geht es heute gar nicht gut, je höher wir kommen umso schlechter ... die Höhe macht ihm zu schaffen. Nach einiger Zeit kommt eine Weggabelung bei der entschieden werden kann, ob man direkt ohne weiteren Aufstieg zum "Baranco Camp" oder über "Lava Tower" gehen kann. Chrissi entscheidet ... über "Lava Tower"! Inzwischen vermischt sich der Regen mit Graupel und es wird immer kälter. Auf der Strecke zum "Tower" kommen wir an ein paar Amerikanern vorbei, von denen eine junge Frau schimpft wie ein Rohrspatz ... oder White necked raven! "Es ist hier so eisekalt, der ganze Regen, meine Schuhe und, und, und ...!" Bei näherer Betrachtung stellt man fest - lange, dünne Hose (Radlerhose?), darüber (?) dicke Wollsocken (sollen wohl den Regen abhalten), einen Satz Turnschuhe und einen ganz kleinen 'Cityrucksack'? Kurz rekapituliert ... ca. 4.500 m, Hochgebirge, Graupel ... ! Vielleicht sollte man doch vorher etwas lesen oder im Forum oder ... aber sie ist in Begleitung und steuert jetzt zielgerichtet in der Ferne ein ... "Deka-tent" an. Inzwischen erreichen wir den "Lava Tower". Dieser ist ein riesiger Gesteinsbrocken (vermutlich Lava ... geomorphologische Kenntnisse) der auf der Anhöhe ca. 80 - 100 Hm hochragt. Geplant war es diesen hochzuklettern. Aufgrund der Nässe verzichten wir, lt. Ernest sehr rutschig und nicht ohne Risiko. Hier oben wird offensichtlich oft Mittagsrast gemacht, leider viel Kleinmüll und Reste ... bleibt aber glücklicherweise die Ausnahme. Der Graupel vermischt sich inzwischen mit leichtem Schnee. Hier zeigt uns Ernest die Aufstiegsmöglichkeit zum Kibo über den "Arrow Glacier" und die "Western Breach", die lediglich erfahrenen Bergsteigern vorbehalten ist und einer Sondergenehmigung bedarf. Hinter dem "Tower" finden wir einen kleinen Schutz unter einem Überstand für eine kurze Mittagspause. Chrissi legt sich hin und muss zum Essen überredet werden. In der Lunch box heute u.a. ... ein Mars Riegel. "Mars bringt verbrauchte ...!" - "Hier Chrissi, essen!" Lange sitzen kann man hier nicht, die Kälte bahnt sich langsam ihren Weg durch die Klamotten. Uns ist es jetzt auch kalt, also weiter. Durch den vielen Regen haben sich die Wege in Sturzbäche verwandelt, so auch unser Weg in das nächste Tal. Gut dass wir gute Schuhe haben (Wollsocken 'unter' den Hosen). Teilweise geht es durch und in den Bächen weiter. Da wir den Scheitelpunkt für heute am "Lava Tower" erreicht haben, geht es jetzt nach und nach bergab. Langsam lässt der Regen nach. Durch den Regen und die Bäche sind die Stiefel wieder schön sauber. Die Wege werden jetzt immer matschiger, unsere Stiefel wieder ...!? Je weiter wir runter kommen Richtung Camp, welches wieder unter 4.000 m liegt, geht es dem Chrissi besser. Chrissi und Ernest beeilen sich weiter runter zu kommen. David und ich verquatschen uns mal wieder und ich probiere jetzt doch noch schnell ein paar Fotos zu machen, solange es nicht regnet. Auffallend sind jetzt die vielen Riesensenecien, die es nur hier in der Gegend gibt. Nach einiger Zeit erreichen wir im Baranco Tal das ... ? ... "Baranco Camp". Chrissi erholt sich im Zelt, ihm geht es wieder besser. Heute gibt es kein 'climb high, sleep low', da wir ja schon 'high geclimbt' sind. Also erkunden wir die Gegend und fotografieren. Der Nebel reist immer wieder auf und gibt dadurch einen wunderschönen Blick auf den Kibo und die "Baranco Wall" (morgige 'Spielwiese') frei. Chrissi, unser Tüftler, konstruiert und baut in unserem Zelt eine Wäscheleine, auf der wir unsere ganzen feuchten Sachen (Regenzeug, Gamaschen etc.) zum Trocknen aufhängen. Die Wäsche bleibt am Körper, damit die Körperwärme diese besser trocknet. Abendessen! Heute übertrifft das Team sich selbst ... Pommes, die Leckersten die ich je gegessen habe, mit Fleischsoße ... und das hier oben! Heute geht es zwischen den ganzen baumelnden und feuchten Sachen früh in's Bett / Schlafsack. Ernest kommt wieder kurz vorbei um den morgigen Tag zu besprechen und irgendwann, kurze Zeit später ...

... 'good night'*


Wetter: Nebel, Regen, Graupel, Schnee (nix solaris kilimanjaris) ... abends leichte Auflockerung
Strecke: ca. 10 km / ca. 810 Hm


* ... Gute Nacht - auf Amerikanisch ;-)
... dünne Leggins, Wollsocken drüber ... ts, ts!


4. Tag am Berg, Karanga ...



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Stephan von Köller